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Entstehung
Begonnen hat es Ende 1989 mit der Vorbereitung des 3. Bürgerforums. Weil kein Vertreter des Rates erschien, wurden von uns alle Fragen aufgenommen. - Wir bemühten uns um Antworten und der Name "UBI Friedrichshain" öffnete fortan Verwaltungstüren. Weitere Bürgerforen wurden initiiert und Probleme am Runden Tisch bürgernah behandelt.
Parallel besetzten wir einen ehemaligen Wohnbezirksausschuß, hoben die UBI Mieterladen als feste Institution aus der Taufe, mit einem Einzugsgebiet bis weit in das Land Brandenburg.
Heute hat der Alltag viele Bürger eingeholt, ohne daß die Probleme gelöst wurden. Im Gegenteil! - die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft sehen es immer noch lieber, wenn Sie selbstherrlich weitestgehend ohne
Bürgerbeteiligung handeln.
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Fragen rund um das Wohnen auf die Spur zu kommen. Wir sind keine Alibifunktion, sondern bieten Hilfe zur Selbsthilfe, nach dem Motto "Bürger helfen Bürgern" - selbst aktiv zu werden. Gemeinsam mit dem Partner Berliner MieterGemeinschaft, der die Räume finanziell absichert, und Anwälten bieten wir in erster Linie Mietberatung. Dabei arbeiten wir auch mit anderen Projekten zusammen, die sich im Gebiet entwickelt haben.
Seit Oktober 1990 erscheint monatlich unsere Stadtteilzeitung Bänsch-Echo, mit Informationen aus und für Friedrichshain und interessanten Entwicklungen auch weit über den Tellerrand hinaus. Das Blatt versteht sich als Mitmachzeitung, kann von allen genutzt werden.
2002 haben wir uns umbenannt. Das war lange überfällig, da unsere Arbeit weit mehr umfaßt, als der Name hergab. Das Vereinslokal trägt weiterhin den Namen "Mieterladen". Den Bekanntheitsstatus wollen wir natürlich nicht verlieren, hoffen aber, daß sich zukünftig KLiZ genauso einprägen wird.
Von UBI Mieterladen e. V. (Unabhängige BürgerInitiative Mieterladen e. V.) hat sich der Name am 28.10.02 mit Eintragung in das Vereinsregister, unter der Nummer 12970 Nz, in UBI KLiZ e. V. (Unabhängige BürgerInitiative Kommunikatives Leben in Zusammenarbeit e. V.) geändert. Seitdem ist auch für weitere Bereiche die Gemeinnützigkeit des Vereins anerkannt (siehe Satzung).
Von der AG Kiezentwicklung zu Projekt Friedrichshain 1999 haben nach Jahren der ehrenamtlichen Arbeit in den Bereichen Sozial-, Miet- und Wohnumfeldberatung, Jugendhilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklung der Infrastruktur und diversen Kulturprojekten, die Beteiligten beschlossen, noch näher aneinanderzurücken und die AG Kiezentwicklung zu gründen. Mit dabei auch Bewohner und Gewerbetreibende mit dem Ziel, die Arbeit zu intensivieren und mehr Informationsaustausch zu organisieren.
Wir feierten am 14.07.99 im Rahmen einer Kundgebung "Initiativen stellen sich vor". In Friedrichshain wurden überwiegend Kundgebungen organisiert, da das Bezirksamt keine Unterstützung gab und Kosten für ein Straßenfest nicht aufzubringen waren. Das liegt auch daran, daß wir selbstorganisiert, wie zeitweise über 90 Projekte, im Bezirk aktiv sind. Und selbstorganisiert kann von oben schwer kontrolliert werden und war deshalb vorrangig von Bürgermeister Mendiburu und Baustadträtin Albinus als zu bekämpfendes Feindbild auserwählt.
Aber unsere Strukturen funktionierten und wir konnten sie ausbauen. Es wurden auch mehrere Firmen
gegründet und Arbeitsplätze auf dem 1. Markt geschaffen. Stolz sind wir nicht ohne Grund darauf, daß keine müde Mark an Fördergeldern in unsere Hände gelangte und wir es trotzdem (oder gerade deshalb) geschafft haben.
Es folgte eine Kundgebung am 19.09.99 gegen Steuerverschwendung und gegen das von Senator Strieder installierte Quartiersmanagement genau vor unserer Nase, in einem Gebiet in dem über 60 Projekte aktiv sind und Bürgerbeteiligung nicht neu erfunden werden, sondern endlich zugelassen werden muß. Medien und Studenten stürzten sich geradezu auf uns, die wir eine Bastion gegen die "feindliche Übernahme" bildeten. In Fernsehfilmen, Reportagen, Nachrichten und bei anderen Gelegenheiten erfuhr die Öffentlichkeit von unserer Arbeit und anerkannte unsere Argumente.
Dies wurde auch deutlich bei einer weiteren Kundgebung am 03.09.00 zu Thema "Für bürgerbestimmte Kiezentwicklung", die trotz sauschlechten Wetters bis in den späten Abend gut besucht war.
Wir stellen uns auf die Zukunft ein
Dies alles gab neuen Mut. Während große Träger wie Kirchbauhof, die sich gerne und viel über Steuergelder subventionieren lassen, daran bastelten an die nächsten EU-Millionen zu kommen, wollen wir Bürgerbeteiligung attraktiver machen. Dazu gründeten verschiedene Einzelpersonen, Projekte, Initiativen und Vereine am 18.01.00 Projekt Friedrichshain e. V. als Dachverband, um selbstverwaltete Strukturen im Bezirk zu fördern. Das hielt die Verwaltungen jedoch nicht davon ab uns weiter auszugrenzen, und das obwohl wir positive Resonanzen aus ganz Deutschland erhielten.
Das Verkehrskonzept z. B. belegte den 4. Platz bei einem von der Investitionsbank Berlin ausgeschriebenen Wettbewerb. Die ersten 20 Einbringer waren durchweg Profis! Vom Bezirk erwarteten wir lediglich Unterstützung in Planungsfragen - keinen Pfennig Geld - aber wir stießen auf taube Ohren. Und so weiter, und so weiter...
Wir haben viel Arbeit, Zeit und Kraft investiert, sind dabei schlauer geworden und wissen jetzt, daß wir nicht die verqueren Deletanten sind, als die sie uns gerne hinstellen.
Mit der Bezirkszusammenlegung Friedrichshain-Kreuzberg hätte es endlich eine neue Chance für Bürgerbeteiligung geben können. Das Gegenteil ist der Fall. Unterstützung unserer Bemühungen wurde signalisiert und mehr nicht.
Um vielleicht auch einmal in den Genuß einer Förderung zu gelangen, haben wir uns auch mit Anträgen an die EU versucht. Alles wurde rechtzeitig beim Bezirksamt eigereicht und seit 4/00 passiert fast nichts. Zu unseren Anträgen gehören u. a.: Steinschlag TV, Mitmachzeitung mit Internet- und Printausgabe, Kulturprojekte, ein kiezbezogenes Projekt der Jugendförderung, Sozialprojekte, das Modellvorhaben Strafe Zukunft, ein selbstverwalteter Projektehof, Eine-Welt-Zentrum, Bewohnerorientierte Stadtentwicklung, Geschäftsstelle für den Runden Tisch Verkehr und das Kommunale Fahrrad. Die für den Bezirk zuständige Servicegesellschaft Zukunft im Zentrum sollte eigentlich die Geschicke bezüglich des Bezirklichen Beschäftigungsbündnisses leiten, ward jedoch bereits im April 00 irgendwie in der Versenkung verschwunden. Und so weiter, und so weiter... Viele Termine, viele Gespräche und immer wieder wurden wir übergangen. Aussagekräftiges Material für diese Ignoranz gegenüber einer großen Bewohnerzahl füllt drei Aktenordner.
Bei Interesse kann der Projekte-Reader eingesehen werden. Auch unsere 20seitige Broschüre "Selbstorganisierte Strategien für Friedrichshain" ist für 1,- € Schutzgebühr + Versand noch zu haben. Schreibt an den Mieterladen und legt entsprechend Briefmarken bei oder schaut auf die Newsletterseite unter Menü Kontakt.
Diplomarbeit von Maaret Isensee
Unsere Arbeit wurde lange von der Geologiestudentin der Uni Potsdam begleitet. Heraus kam eine hervorragende Diplomarbeit, deren Inhalt für alle überraschend war, wird eine solche Arbeit eher von einem Forschungsinsititut hergestellt, denn von einer Einzelperson.
Haupstsächlich ging es um den Vergleich von Netzwerken. Dabei stellt sie die AG Kiezentwicklung dem Quartiersmanagement gegenüber. In Punkto Quartiersenwicklung haben wir gar nicht so schlecht abgeschnitten, auch wenn viele Schwachstellen herausgearbeitet wurden. Maaret hat uns ihre Arbeit als CD-R zur Verfügung gestellt. Sie ist im Mieterladen einzusehen, kann auch gegen Kaution ausgeliehen werden. Wir müssen natürlich sicherstellen, daß sie wieder zurück kommt, deshalb die Kaution.
Zuletzt traf sich die AG Kiezentwicklung unregelmäßig zu Kiezstammtischen an unterschiedlichen Orten. Einiges brannte unter den Nägeln, Fristen drücken für Planungen unser gesamtes Wohngebiet nachhaltig verändern werden, ob zum Guten ist äußerst fraglich:
Wegen völliger Arbeitsüberlastung und sich einschleichenden Frustes, weil sich Arbeitsaufwand und Erfolg schon lange nicht mehr rechnete, verließen immer mehr Menschen die AG Kiezentwicklung. So schlief ein nie beendetes Projekt langsam ein.
Die Ziele:
Die Projekte arbeiten schon seit vielen Jahren ehrenamtlich und können auf eine lange Tradition des "nicht zur Kenntnis nehmens" durch die Verwaltung und ihre Beauftragten zurückblicken.
Friedrichshain ist ein Stadtbezirk im Umbruch. Große Industriebetriebe mußten dicht machen. Neue Arbeitsplätze in Größenordnungen sind nicht entstanden. Dies bewog viele alteingesessene Bewohner, vorrangig Familien mit Kindern, den Bezirk zu verlassen. Hinzu kommen fehlende Infrastrukturen, hoch verdichtet, wenig Grün, schlechte Verkehrssituation, kein Platz für Kinder, hoher Sanierungsbedarf u.ä.
Zugezogen sind in erster Linie junge Menschen in Ausbildung, z. T. aus der Ex-DDR, den alten Bundesländern und dem Ausland mit unterschiedlichster kultureller Herkunft.
Wir versuchen unser Zusammenleben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Projekt Friedrichshain e. V. möchte diesen Prozess befördern.
Schon vor Jahren hat sich hier eine Struktur mit hohem Grad an Selbstorganisation und -hilfe und gegenseitiger Unterstützung herausgebildet. Aus der HausbesetzerInnenbewegung Anfang der 90er Jahre heraus existieren auch vielfältige Erfahrungen in Einmischungsprozessen. Z. B. hat die Selbstverwaltete Ostberliner GenossInnenschaft e. G. (SOG) mit Hauskäufen ehemals besetzte Häuser langfristig gesichert, um Räume zum Arbeiten und Leben durch eigene Kraft zu erschließen.
Das ehrenamtliche Engagement kann nicht unbegrenzt ausgeweitet werden. Insbesondere dann nicht, wenn es durch die gewählten Vertreter und die Verwaltung nicht aufgegriffen und gefördert wird. Punktuelle Selbsthilfe reicht nicht aus, für die Gestaltung der Zukunft von Friedrichshain. Zu unseren Vorstellungen haben wir versucht mit der Broschüre "Selbstorganisierte Strategien für Friedrichshain" und mit unseren Projektanträgen Kronkretes vorzulegen.
Wir finden diese Entwicklung spannend. Deshalb nehmen wir unser Zusammenleben selbst in die Hand, um Politik und Verwaltung mit unseren Ansprüchen zu konfrontieren.
Während sich die etablierte Politik mehr mit der Gestaltung der eigenen Zukunft beschäftigt, suchen wir den Kontakt zu Gleichgesinnten in Kreuzberg. Wir möchten im fusionierten Bezirk Friedrichshain - Kreuzberg mit Engagierten an der Entwicklung arbeiten. Die Feuertaufe - der gemeinsam mit dem Stadtteilausschuß Kreuzberg organisierte Spreetag auf der Oberbaumbrücke am 03.06.00 - war ein guter Erfolg.
Vom 3. bis 6. Juli 00 fand in Berlin der Weltkongreß zur Entwicklung von Global Citys im 21. Jahrhundert statt. Während dort über die Problematik sozialer Ausgrenzung geredet wird, versuchen wir das Miteinander konkret zu leben. Friedrichshain - Kreuzberg ist Teil der "Global City" Berlin. Der Funktionsverlust der innerstädtischen Kernbereiche kann nicht auf Planerkonferenzen gelöst werden, nicht ohne die Einbeziehung der Menschen, die heute in diesen Quartieren leben.
So wie wir uns in die Politik einmischen werden, erwarten wir, daß die Politik sich in die realen Gestaltungsprozesse einmischt.
Seit 2002 organisieren wir unsere Arbeit am monatlich stattfindenen Kiezstammtisch. Dabei werden aktuelle Geschehnisse besprochen, Aktionen und Reaktionen vorbereitet und die langfristige Entwicklung nicht aus den Augen gelassen. Konkret diskutieren wir die Umgestaltung des Kiezes im Rahmen des Stadtumbau Ost. Dieses Gebiet umfaßt 550 ha, teils dichtbesiedeltes Wohngebiet und Teilbrachen. Die Planungen und Auftragsvergabe vom Senat sind bis heute den betroffenen Bürgern und Gewerbetreibenden nicht mitgeteilt worden. Und das in einem Gebiet, in dem durch Stadtentwicklungssenator Strieder ein Quartiersmanagement eingerichtet wurde, dessen vornehmste Aufgabe es ist, Bürgerbeteiligung zu organisieren. Das die bereitgestellten Gelder nicht für diesen nach außen favorisierte Zweck ausgegeben werden, zeigen die jüngsten Entwicklungen.
Es gibt noch viel zu tun, um Erhaltenswertes zu erhalten und lebenswerte Strukturen zu schaffen. Wir werden auch weiterhin unbequem sein und mitreden. Dazu brauchen wir noch weitere Unterstützung engagierter Bewohner und Gewerbetreibenden, damit die Politik an unseren Wünschen und Vorstellungen nicht mehr vorbeiplanen kann. Es ist unser Kiez und es ist eine verständliche Forderung, die Entwicklung mitbestimmen zu wollen. Dieses Recht werden wir weiter verteidigen.
Um nicht an Formalien zu scheitern führten wir unsere Arbeit im Rahmen der AG Kiezenwicklung durch. Die offenen Treffen und lockeren Arbeitsstrukturen bildeten lange Zeit eine bessere Grundlage für sachliche Diskussionen, ohne das Gefühl einer Beschränkung oder von Vereinsmeierei. Zusammen mit der AG Kiezentwicklung schlief auch Projekt Friedrichshain e. V. langsam ein, denn eins geht nicht ohne das andere.
Wir haben viel gelernt, sind uns näher gekommen, haben neuen Projekten auf den Weg geholfen, doch sind letztendlich am deutschen Formalismus, Ignorantentum und an fehlenden demokratischen Strukturen gescheitert. Geistig und moralisch gewachsen, haben wir uns alle wieder mehr in unseren Projekten, Vereinen und Intitiativen engagiert, aus denen wir heraus zusammengefunden haben.
Die jüngere Geschichte
Ca. 10 Jahre nach der Gründung als BürgerInitiative haben wir unseren alten Standort in der Bänschstraße 79 verlassen, um in die Kreutzigerstraße 23 umzuziehen. Das Haus war vormals besetzt und der, aus den besetzten Häusern in Friedrichshain heraus gegründeten, SOG e. G. (Selbstverwaltete Ostberliner GenossInnenschaft) gelang es dieses Haus als ihr allererstes käuflich zu erwerben.
Mit der Sanierung wurden auch unsere Räume gemütlich, warm im Winter und freundlich hell im Sommer. Der Beratungsraum vergrößerte sich, genauso wie unsere Angebote sich erweiterten. Darauf sind wir besonders stolz, denn im Laufe der Jahre ist unsere Zahl der Aktiven deutlich geringer geworden. Seit vielen Jahren arbeiten wir im Prinzip zu dritt und haben es trotzdem geschafft.
Schon immer haben auch verschiedenen Initiativen, Gruppen und Personen unsere Räume sporadisch oder dauerhaft genutzt. Da waren oder sind, stellvertretend für viele andere, die antirassistische Telefonkette, die Bürgerinitiative Innenstadtring Süd, die Kunstsportgruppe Umgehungstechnik, die SAV, eine Schreibwerkstatt, Action Samba Berlin, die Bürgersprechstunde von Freke Over (MdA) und die IG politische Mitte (ein Anti-HartzIV-Bündnis). Wir sind immer bemüht Anderen (einmalig, sporadisch oder dauerhaft) eine Plattform zu geben und sie von den günstigen Konditionen partizipieren zu lassen, so lange es nicht vorrangig um kommerzielle Bedürfnisse geht und einige Regeln eingehalten werden. Wir danken dafür sehr unserem Kooperationspartner Berliner MieterGemeinschaft e. V., der uns größtmöglichen Unterstützungsspielraum läßt, was ein gegenseitige hohes Maß an Vertrauen voraussetzt.
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