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  Resumeé 2011




Aktiv im Kiez - Der Kiezpool IV

Im Rahmen der Neuausrichtung des Quartiersmanagements Boxhagener Platz wurde das Berliner Modellprojekt im Jahr 2005 im Quartiersrat (Bewohnergremium) angeregt, besprochen und bewilligt, bzw. im Zeitraum Januar 2006 bis Dezember 2007 vom Berliner Senat gefördert realisiert und seither mit den weiteren ursprünglichen Projektpartner_Innen weitergeführt.

Modellhaft an dem Projekt ist, das erstmals Einsatzorte als solche wahrgenommen werden können, die an sich viel zu klein sind, um eine Chance auf Unterstützung zu erhalten. Es ist darüber hinaus ein wichtiges Projekt zur Unterstützung bezirklicher Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der sozialen Stadterneuerung.

Duch das Zusammenspiel der Akteure wurde die wichtige, oft unterschätzte, soziale Arbeit vieler kleiner Vereine und Inititativen durch motivierte und einsatzbereite Mitarbeiter gefördert und nachhaltig gestärkt und diesen die Möglichkeit einer sinnhaften Beschäftigung gegeben.
Der Kiezpool übernimmt die Koordinierung und hat dazu ein gebrauchsfähiges Netzwerk installiert.

Ziel war es, die vorhandenen Mechanismen auf dem 2. Arbeitsmarkt für eine Nische zu nutzen, die üblicher Weise keine Chance auf Förderung hat. Besonderes Augenmerk lag auf der Mitbestimmung und Selbstverwirklichung der Teilnehmer_Innen, um sie zu motivieren über sinnvolle Projektarbeit im Team ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihre eigenen Bedarfe zu erkennen, zu benennen und anzuwenden und einen gesellschaftlichen nachhaltigen Beitrag zu leisten.

Von Beginn an erfüllten wir gegenüber dem Hauptprojektpartner (Jobcenter) die an uns selbst und an das Projekt gestellten Anforderungen, die weit über die Anforderungen anderer Träger an ähnliche Maßnahmen hinaus gingen. Diese Besonderheit führte nicht selten zu Verständnisproblemen und Irritationen bei den Projektpartnern.

Die hohen Anforderungen sind Teil des Projekts aus seinem Selbstverständnis und seiner Philosophie heraus. Dazu gehört neben vielen weiteren Bauteilen u. a. die individuelle, paßgenaue Qualifizierung von Teilnehmer_Innen, z. B. über VHS Kurse, die im Rahmen persönlicher Gespräche eruiert wurden. Wir wollen nicht das X. Bewerbungstraining durchführen, oder die X. Einführung in den PC. Paßgenauigkeit und individuelle Abstimmung stehen immer im Vordergrund. Das der Weg richtig ist, zeigen die sogenannten "Abgänge" von Teilnehmer_Innen oder ihre spätere Entwicklung.
Zwei stellvertretende Beispiele:
Durch die Möglichkeit der paßgenauen Qualifizierung hat eine Teilnehmerin eine sozialpflichtige Arbeit im Beratungsbereich für Migrant_Innen aufgenommen, eine andere nahm Ihr abgebrochenes Studium wieder auf und hat sich darüber ihre Zukunft gesichert. Dies wäre ohne die MAE nicht möglich gewesen.

Andererseits wird ein Teil der sogenannten "Overheadkosten/Regiemittel" nicht vom Träger verwendet, um Vorstände oder Ähnliches zu finanzieren. Es werden nur die mit der Maßnahme verbundenen notwendigen Mittel eingesetzt (z. B. Beiträge an die Berufsgenossenschaft oder die direkte Verwaltung der Maßnahme). Daher ist es möglich Teilbeträge in arbeitsplatzbezogene Ausgaben für die Teilnehmer_Innen über deren Einsatzstellen direkt zu investieren, z. B. zur Herstellung erarbeiteter Informationsmaterialien, Beschaffung von notwendigen Arbeitsmaterialien oder Ausgaben für projektbezogene Veranstaltungen. Durch diese Besonderheit ist es den Teilnehmenden vergönnt, die Früchte Ihrer Arbeit direkt und greifbar "zu genießen".

Für die Vergangenheit können alle Mitwirkenden im Kiezpool auf mannigfaltige Bereicherung des öffentlichen Kiezlebens zurückblicken, zu dem sie ein nicht unerhebliches Stück beitrugen, z. B. auf Theateraufführungen, verschiedene Sportveranstaltungen für Kinder und Erwachsene, Bereicherung von Straßenfesten. Auch Filme und Radiobeiträge sind entstanden und vieles mehr. Dies wurde auch 2011 fortgeführt.

Fast unbemerkt erkennen und stärken die Teilnehmer_Innen dabei ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten und ihre sozialen Kompetenzen. Ein großer Dank gilt hier auch den Einsatzstellen und ihren Mitarbeitern vor Ort.

Das Projekt wurde in der Vergangenheit auf verschiedenen nationalen und internationalen Tagungen vorgestellt und fand immer großes Interesse und Zuspruch.

2011 führte der Kiezpool eine weitere Maßnahme mit 15 Teilnehmenden in verschiedenen Einsatzstelen durch. Die Rahmenbedingungen des wichtigsten Projektpartners haben sich jedoch verändert und daher konnte die Maßnahme nur noch bedingt nach dem bewährten Konzept umgesetzt werden.

Was hat sich u. a. verändert?

Z. B. ist eine individuelle Qualifizierung, die maßgebend für das Modellprojekt ist, nicht mehr wie bisher möglich. Mitarbeiter des Jobcenters organisieren zukünftig die Fortbildungen für "ihre Kunden" über Bildungsgutscheine, die Unterbringung in EU-geförderten Kurse o. ä. Wenn, wie angedacht, dabei die individuellen Bedürfnisse der Kunden berücksichtigt werden, ist das toll. Unsere Erfahrungen der letzten Jahre zeigten, daß unsere Teilnehmer_Innen oftmals für sie notwendige Fortbildungen erst im Rahmen der MAE umsetzen konnten, weil sie ihnen vorher aus verschiedenen Gründen verwehrt wurden. Wenn sich hier etwas für die Betroffenen ändert, unterstützen wir das. Im Rahmen der Maßnahme konnten wir dies jedoch nicht feststellen.

Ziel des Modellprojekts war es von Beginn an, die Anforderungen der Projektpartner an die vorhandene Trägerlandschaft Berlins zu verändern. Die Anforderungen an die Trägerlandschaft haben sich verändert. Maßnahmen werden transparenter und abrechenbarer. Dies sind Anforderungen, die wir uns seither selbst auferlegt erfüllen mußten und wollten. Diese allgemeine Umstrukturierung ist positiv zu bewerten, auch wenn man von einem Qualitätsmanagement immer noch weit entfernt ist.
Darüber hinaus wurden die verfügbaren Fördermittel für diese Art von Maßnahmen im Jahr 2011 erheblich reduziert, eine weitere radikale Reduzierung der Mittel erfolgt im Jahr 2012.

Ob diese Umstrukturierungen der "Berliner Jobintensive" in der Folgezeit Früchte tragen werden und auch den Menschen Hilfe gibt, die keinen oder nur einen geringen Zugang aus ganz verschiedenen Gründen zum Arbeitsmarkt finden (können), bleibt abzuwarten. Die Befürchtung, daß sie weiter die Verlierer der Gesellschaft bleiben, ist groß.

Mit den anlaufenden, gravierenden Veränderungen beim wichtigsten Projektpartner wird der Kiezpool im Jahr 2012 nicht mehr weiter geführt, da die Rahmenbedingungen die Philosophie des Berliner Modellprojekts nicht mehr unterstützen.